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Neuerkeröder Blätter online // Humor - Eine Frage der Haltung

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Editorial

Foto: Nina Stiller
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Liebe Leserin und lieber Leser,

es ist mir immer wieder eine Freude, Ihnen allen eine neue Ausgabe der Neuerkeröder Blätter mit Nachrichten aus all unseren Gesellschaften vorstellen zu dürfen. Ein gelungenes Heft – ich hoffe, dass Sie mir nach der Lektüre zustimmen. Thematisch liegt der Schwerpunkt dieses Mal in der Auseinandersetzung mit Humor und Lachen. Hintergrund ist unsere Entscheidung, dem Humor und dem Lachen in den Arbeitsbereichen der Unternehmensgruppe mehr Raum zu geben.

Humor und Lachen ist ein beziehungsstiftender Aspekt menschlicher Kommunikation.

Natürlich meint das nicht das Auslachen oder die Verspottung mit grimassenhaftem Lachen über andere Menschen. Das Theater Endlich hat in seiner jüngsten Produktion „Darf man lachen?“ deutlich gemacht, wo die Grenzen liegen. Man darf lachen, man darf nur nicht auslachen. Das so recht verstandene Lachen knüpft eine Verbindung zum Mitmenschen, zum Kollegen, zur Patientin oder zum Betreuten. Es macht den Alltag schöner, verbindlicher, freundlicher – es nimmt Verbindung auf. Gerade in Kontexten der sozialen, pflegerischen, therapeutischen und medizinischen Zuwendung sind das Lachen und die Freundlichkeit ein Erfolgsfaktor. Für beide Seiten! Humor
hilft heilen, sagt Dr. Eckhart von Hirschhausen. Er begleitet mit seiner Stiftung unser großes Projekt bis Ende des Jahres 2020, in dessen Rahmen alle knapp 3.000 Mitarbeitenden in 65 Workshops geschult werden. Wir haben allerdings das Motto auf unsere Bedürfnisse angepasst und sprechen von „Humor verbindet“. Wir wollen damit unterstützen, dass Menschen in eine gute Beziehung zueinander treten. Das ist besonders für unsere Arbeit wichtig. Und dazu gehört für uns gemeinsames Lachen konstitutiv dazu. Das Lachen ist Ausdruck einer neuen und bewussten Achtsamkeit gegenüber sich selbst und anderen.

„Es ist ganz einfach“, schreibt Gerald Hüther in seinem Buch „Würde“ (6. Auflage 2018, München, S. 181 f.). „Beispielsweise können Sie andere Personen, anstatt an ihnen vorbeizugehen, als wären sie Luft, auch anlächeln. Wer sich darauf einlässt, beginnt auch wieder, sich zu spüren. Und damit verändert sich Ihr Leben von ganz allein. Es wird spürbar freudvoller, liebevoller, auch würdevoller.“ Ich wünsche mir als Wirkung von diesen Workshops „Humor verbindet“, dass sich die Art und Weise, wie bei uns gearbeitet wird, für die Mitarbeitenden und für Klienten, Patienten, Pflegebedürftige und anderweitig Betreute noch spürbarer zum Positiven verändert. Ich bin zuversichtlich, dass wir gelöster, freundlicher und zugewandter auftreten und ich hoffe darüber hinaus, dass wir sogar soziale und kulturelle Impulse für diese Region geben können. Das scheint mir nötig zu sein. Denn die Zeit, in der wir leben, wirkt sehr unübersichtlich, sehr konfliktreich. Die einen sehen im Klimawandel eine fundamentale Bedrohung des Lebens aufziehen, die anderen sehen in allen Versuchen, die Erderwärmung zu begrenzen, eine Deindustrialisierung unserer Region. Es scheint allen Beteiligten schwerzufallen, im Dialog zu bleiben und die Wahrheit der Argumente des Gegenübers zuzulassen. Ob es gelingt, über das Lachen und die Freundlichkeit achtsam füreinander zu bleiben? Mir scheint dabei ein gesellschaftlicher Akteur zu fehlen, der in aller Auseinandersetzung für Werte, die zugleich Grundlage unseres Zusammenlebens sind, eintritt. Respekt voreinander, Achtsamkeit miteinander, Sorge füreinander zählen dazu. Eigentlich könnten die beiden großen Kirchen diese Aufgabe übernehmen. Eigentlich. Mir steht es nicht zu, die katholische Schwesterkirche zu kritisieren, ich habe genug zu tun mit meiner evangelischen Kirche. Zu allen großen gesellschaftlichen Themen hätte sie etwas beizutragen.

Wer über Nachhaltigkeit und Klimawandel spricht, wer den Respekt vor der Natur neu diskutiert, der sollte sich mit dem biblischen Gedanken auseinandersetzen, dass die Welt geschaffen ist.

Die Schönheit der Welt und der Zauber des Lebens finden hier eine Grundierung. Wo bleibt in diesen Zeiten der Beitrag unserer Kirchen? Deutlich vernehmbar ist dieser Beitrag nicht. Ich vermisse ihn aber. Gerade in den vergangenen Wochen und Monaten habe ich unsere Kirche oft nur noch als im freien Fall des Bedeutungsverlustes erlebt. Zum Glück gibt es noch Kirchengemeinden gegen den Trend, gerade auf dem Land ein Segen für die Menschen. Es gibt noch Gottesdienste, die Gott die Ehre geben, es gibt großartige Kirchenmusik und wunderbare Kirchgebäude – da ist noch viel zu finden. In diesem Zusammenhang wünsche ich mir, dass die Menschen ihre Entscheidungsfreiheit nutzen, um
sich wieder der Kirche zuzuwenden, anstatt ihr den Rücken zu kehren. Wie immer liegt es an uns. Wir können auf die anderen zeigen und behaupten, sie seien schuld. Aber es hindert uns niemand, mitzumachen, es besser zu machen. Neue, breitenwirksame Gemeinschaftsformen des Christentums, die Orientierung bieten, Hoffnung entzünden und Menschen in Konflikten daran erinnern, den Respekt und die Achtung voreinander nicht zu verlieren – das wäre für mich Engagement wert. Ein Engagement, das vom sich Anlachen getragen wird, das Freundlichkeit stiftet und um die Unantastbarkeit der Würde des Menschen weiß. In Psalm 8 drückt der Beter diese Erkenntnis mit einem staunenden Fragen aus: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst.“ Manchmal werde ich gefragt, wie es wohl weitergehen wird in unserem Land und der Welt mit dem Erstarken populistischer Parteien und neuer Demagogen an ihrer Spitze. Wie wird sich der Klimawandel auswirken? Was wird aus der Kirche? Theodor W. Adorno (Aspekte des neuen Rechtsradikalismus, Berlin 4. Auflage 2019, S. 55) hält diese Art zu fragen für falsch: „In dieser Art des Denkens, die solche Dinge von vornherein ansieht wie Naturkatastrophen, über die man Voraussagen macht wie über Wirbelwinde oder über Wetterkatastrophen, da steckt bereits eine Art von Resignation drin, durch die man sich selbst als politisches Subjekt eigentlich ausschaltet, es steckt darin ein schlecht zuschauerhaftes Verhältnis zur Wirklichkeit. Wie diese Dinge weitergehen und die Verantwortung dafür, wie sie weitergehen, das ist in letzter Instanz an uns.“ Dem kann ich mich anschließen.

Ich möchte nur noch ergänzen, dass außerdem derjenige, der lacht, niemals nur Zuschauer ist, sondern Teil des Geschehens. Achtsam ist er dabei. Machen Sie, liebe Leserin, lieber Leser bitte mit! Bleiben Sie auch in 2020 lachend an unserer Seite, das ist unser größter Wunsch für das neue Jahr.

Frohe Weihnachten wünschen wir Ihnen aus der Evangelischen Stiftung Neuerkerode und der Ev.-luth. Diakonissenanstalt Marienstift.

Bleiben Sie behütet.

Ihr
Rüdiger Becker
Foto: Nina Stiller
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Seit Mitte 2019 kooperiert die Unternehmensgruppe der Evangelischen Stiftung Neuerkerode mit der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN und lässt alle Mitarbeitenden in Workshops durch Humortrainer schulen. Damit wir am Ende alle besser Witze erzählen können? Natürlich nicht. Im Interview berichtet der bekannte Mediziner, Komiker und Gründer der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN Dr. Eckart von Hirschhausen, was hinter den Workshops steckt und wie man mit einem Schnelltest die schlechte Laune besiegen kann.


In der Medizin des Mittelalters bezeichnete der lateinische Begriff humoris die vier elementaren Grundsäfte des Körpers. Hat man damit schon früh erkannt: Humor ist (über-)lebenswichtig?

EvH: Unbedingt, denn Humor wirkt sich überaus positiv auf Körper und Psyche aus. Wissenschaftlich nachgewiesen sind Schmerzlinderung durch Lachen, Blutdrucksenkung und Immunstimulation, aber auch Reduktion von Angst und Depressivität. Humor gilt in der positiven Psychologie als eine der universellen Charakterstärken, die Stress gegenüber resistenter macht, die Kreativität, das Sozialgefüge, die Resilienz und letztendlich eine höhere Lebenszufriedenheit fördert.

Humor ist laut Duden die „Fähigkeit und Bereitschaft, auf bestimmte Dinge heiter und gelassen zu reagieren“. Wie ist Ihre eigene Definition?
EvH: Manche Menschen glauben, Humor sei etwas Oberflächliches. Dabei ist Humor unsere wichtigste Erkenntnis, um nicht zu verzweifeln, denn Humor ist das tiefe Einverständnis in die Absurdität unserer Existenz. Wir kommen aus Staub, wir werden zu Staub. Deshalb meinen die meisten Menschen, es müsse im Leben darum gehen, möglichst viel Staub aufzuwirbeln. Das kann man nur mit Humor nehmen.

Warum hilft Humor im Leben weiter?
EvH: Ich möchte Ihnen hierfür ein schönes Beispiel geben. Einer der Pioniere der Humortherapie war der Österreicher Viktor Emil Frankl. Wegen seiner jüdischen Herkunft kam er 1942 ins KZ. Er überlebte und legte mit seinem Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“ die Grundlage für die moderne Resilienzforschung. Seine zentrale Erkenntnis war, dass Menschen selbst unter den widrigsten Umständen in der Lage waren, der Situation einen „Sinn“ abzutrotzen. Frankl verabredete mit anderen Häftlingen, sich jeden Tag einen Witz zu erzählen und sagte im Nachhinein, dass die gezielte Beschäftigung mit Humor ihn davor gerettet habe, aufzugeben und zu zerbrechen. Und Karl Valentin (Anm. d. Red: Dt. Komiker, Schriftsteller und Schauspieler *1882; †1948) bringt es so auf den Punkt: „Wenn es regnet, freue ich mich. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“

Humor also als Lebenseinstellung – darum geht es ja auch in den Humor-Workshops, die Ihre Stiftung seit dem Sommer und noch bis Ende 2020 für die rund 3.000 Mitarbeitenden unserer Unternehmensgruppe durchführt. Wie ist Ihr Eindruck: Herrscht in unserer Unternehmensgruppe schon eine heilsame Stimmung?
EvH: Meine erste Blickdiagnose: Ja! Denn schon alleine die Haltung der Unternehmensspitze spricht für sich. Allen 3.000 Mitarbeitenden Workshops zu den Themen Resilienz, Selbstfürsorge und Stressreduktion anzugedeihen zeigt, dass das Wohl der Mitarbeiter, deren Zufriedenheit und die Erhaltung ihrer Arbeitskraft am Herzen liegt. Damit das eigene Personal nicht ausbrennt, wollen bestimmt viele Führungsspitzen. Dass man dafür auch etwas tun kann, haben allerdings noch nicht alle verstanden – die Unternehmensgruppe Evangelische Stiftung Neuerkerode schon. Und sie nimmt sich dem Thema Seelenhygiene ganzheitlich an. Gemeinschaft, Freude, Lachen und Sinn im eigenen Handeln zu erleben sind die großen Schutzfaktoren der Seele. Humor ist ansteckend. Hoffentlich werden alle infiziert.

So manch ein Kollege hat im Vorfeld Sorge, dass er während des Workshops wortwörtlich zum Clown gemacht wird…
EvH: Darum geht es bei unseren Schulungen aber nicht. Sondern darum, die Perspektive zu wechseln. Die eigene Empathie- und Sympathiefähigkeit für Menschen zu entwickeln und diese bewusst auszustrahlen. Denn gerade dann, wenn wir Vorbehalte empfinden, ist es wichtig, positive Kontakte aufzubauen und damit zum Wohlbefinden und zur Genesung beizutragen. Über die Workshops lernt man, auch das kleine Schöne im Moment sehen zu können, in mir und in meinen Mitmenschen, Wertschätzung daraus zu schöpfen und diese widerzuspiegeln.

Inwieweit kann eine Pflegekraft mit Humor auf den Heilungsprozess eines Patienten einwirken?
EvH: Selbstfürsorge, wie ich sie eben beschrieben habe, zahlt sich immer für den Pfleger und den zu Pflegenden aus. Denn grundsätzlich kann jemand, der gut zu sich ist, auch viel besser für andere da sein. Er kann besser in Kontakt treten, sich in den anderen einfühlen und verständlicher kommunizieren. Wir wissen heute viel darüber, wie positive Erwartung den Heilungsprozess befördert. Angst, Unsicherheit und das Gefühl, allein gelassen zu sein dagegen schaden. Das ist alles keine Esoterik mehr, sondern handfeste Wissenschaft. Umso erstaunlicher, wie wenig Inhalte der positiven Psychologie und Resilienzforschung bislang Teil der Aus- und Weiterbildung sind – aber das ändern wir ja gerade mit unserem Projekt!

Ist Humor derzeit Bestandteil in der Pflege- oder Medizinerausbildung?
EvH: Nein, entweder nur sehr theoretisch oder gar nicht. Daher haben wir ein Curriculum entwickelt. Mit theaterpädagogischen Inhalten und praktischen Übungen werden die Inhalte der Pflegeworkshops live erlebbar und spürbar.
Sie machen mit Ihrer Stiftung nicht nur Angebote für kranke, alte und hilfebedürftige Menschen, sondern legen den Fokus auch gezielt auf die Menschen, die sie umgeben, also Pflegekräfte, Mediziner und andere.

Kann man sich als Pflegekraft oder Mediziner Humorfähigkeit antrainieren?
EvH: Ja, kann man. Genauso wie man Humor verlieren kann, kann man ihn auch gewinnen.

Sie setzen sich mit Ihrer Stiftung seit inzwischen mehr als zehn Jahren für mehr Humor in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ein. Was konnten Sie in dieser Zeit erreichen?
EvH: Zum einen haben wir in über 300 bundesweiten Projekten mehr als 600.000 Patienten, Pflegekräfte, Ärzte, Angehörige und Pflegeschüler erreicht. Dazu zählen 11.000 Clownsvisiten für Kinder, Erwachsene und Senioren und schon über 1.000 durchgeführte Humorworkshops für Pflegekräfte. Zum anderen haben wir für die Pflegeausbildung das bereits erwähnte Curriculum entwickelt, und damit schon in der Ausbildung die Weichen für mehr Achtsamkeit und positive psychologische Ansätze im Berufsalltag gelegt. Das ist für uns ein Meilenstein in dem sonst eher ökonomischen und wenig menschenorientierten Krankenhaussystem. Zudem hat HUMOR HILFT HEILEN bereits sieben wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit des Humors initiiert und finanziert. Was mich aber am meisten freut, ist, dass ein Klinikclown anfänglich ein Kuriosum im Krankenhaus war und es heute schon eher gegen eine Klinik spricht, wenn sie keine Klinikclownsvisiten anbietet. Erste Krankenkassen haben damit begonnen, Klinikclownsvisiten als Präventionsmaßnahmen zu finanzieren.

Ihre Stiftung fördert auch Studien und Forschungsprojekte, die die Wirkung von Humor untersuchen. Welche Erkenntnisse haben Sie am meisten überrascht?
EvH: Die Workshops wurden sehr positiv evaluiert, was mich gefreut, aber nicht überrascht hat. Eine kleine Pilotstudie zeigte, dass Kinder, die mit einem ausgebildeten Klinikclown die Wartezeit vor einer Operation überbrücken konnten, in ihrem Speichel messbar höhere Werte von dem Vertrauenshormon Oxytocin hatten. Wir finanzieren eine Musiktherapeutin in der Neonatologie, die den Müttern beibringt, für ihre frühgeborenen Kinder zu singen – auch hier zeigen sich unmittelbar physiologische Verbesserungen. Aktuell läuft eine Studie in der Palliativmedizin, bei der es um Lebensqualität am Ende des Lebens geht. Wir versuchen den Menschen in einem großen Bogen zu verstehen und wo es fehlt mehr Humanität in die Humanmedizin zu bringen.

Sie sagen, Lachen ist die beste Medizin. Was machen Sie, wenn Sie selbst
einmal schlechte Laune haben?
EvH: Ich habe einen Schnelltest entwickelt. Wenn ich merke, dass meine Laune sinkt, frage ich mich: Wann habe ich zuletzt was gegessen, wann habe ich mich zuletzt unter freiem Himmel bewegt, wann habe ich zuletzt geschlafen – gibt es etwas, was ich jetzt gerade tun kann, um mir etwas Gutes zu tun? Und wenn ich nix finde, schaue ich, ob ich jemanden finde, der daran schuld sein könnte.

Vielen Dank für das Gespräch.

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Über positive Haltung im Arbeitsalltag

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Text: Miriam Herzberg // Foto: Bernhard Janitschke

Lautes Lachen aus über 450 Kehlen im Braunschweiger Dom St. Blasii und überall Menschen mit roten Nasen – was vielleicht zunächst ungewöhnlich erscheint, war zum Jahresempfang der Evangelischen Stiftung Neuerkerode und der Ev.-Luth. Diakonissenanstalt Marienstift unbedingt erwünscht. Denn es ging um Humor. Um eine positive Haltung – im Arbeitsalltag, aber auch im Umgang mit Mitmenschen und allgemein im Leben. Eindrücklich, humorvoll und mit maximaler Praxiserfahrung gaben Humortrainer Susanne Hill und Andreas Bentrup von der Stiftung HUMOR HILFT HEILEN den Besuchern des Doms Tipps für den Arbeitsalltag, um beispielsweise im herausfordernden und anspruchsvollen Job bestehen zu können und vermittelten so einen kleinen Einblick in die Workshops, die sie derzeit mit den Mitarbeitenden der Unternehmensgruppe durchführen. Auch Dr. Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen e.V., liegt dieses Thema am Herzen. In seinem Grußwort zur „Achtsamkeit in der Wirtschaft und in der Pflege – warum die Pflegebranche so wichtig für die Wirtschaft ist“ ging er ausführlich darauf ein, welche Rolle Einrichtungen wie die Evangelische Stiftung Neuerkerode für die Unternehmen haben. Zum Abschluss des Empfangs gab die inklusive Theatergruppe „Endlich“ine Kostprobe aus dem aktuellen Stück „Darf man lachen?“

Rüdiger Becker, Stiftungsdirektor
„Wir haben uns bewusst dazu entschieden, die beziehungsstiftende und glücklich machende, sinngebende Seite der sozialen, gesundheitlichen, medizinischen und therapeutischen Arbeit ins Bewusstsein zu rücken. Humor verbindet – es gibt nach unserer Auffassung nichts Besseres, als mit Menschen verbunden zu sein.“

Andreas Bentrup, Humortrainer Stiftung HUMOR HILFT HEILEN
„Empathie und Sympathie für Menschen zu entwickeln und diese bewusst auszustrahlen – gerade dann, wenn wir Vorbehalte empfinden – ist eine entscheidende Kraft, um positive Kontakte aufzubauen, zum Wohlbefinden und zur Genesung beizutragen“, machte Bentrup deutlich. „Grundlage dafür ist die Fähigkeit, auch das Schöne in der Welt, in mir und meinen Mitmenschen sehen zu können, Wertschätzung daraus zu schöpfen und diese widerzuspiegeln“, ergänzte Hill.

Dr. Volker Müller, Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen e.V.
„Der Fachkräftemangel trifft nicht nur die Pflege selbst. Der Pflegenotstand kann sich auch auf andere Bereiche auswirken: Wenn es nicht gelingt, Pflege flächendeckend zu organisieren, sehen sich mehr Menschen gezwungen, ihre Angehörigen selbst zu pflegen“, sagte Müller.

Sie wollen mehr über den Stiftungsempfang erfahren? Klicken Sie hier.



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Mal ehrlich – haben Sie einen eigenen Fehler schon mal wem anders  untergejubelt?
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Text: Thomas Pöllmann // Fotos: Unternehmenskommunikation

Diese flauschig-flexiblen Nasenpolster aus Isocyanaten und Polyolen, die meine Kolleginnen wie Trophäen auf ihre Monitorecken aufgespießt haben, bezeugen ihre erfolgreiche Humor-Rekrutierung. Auch meine Einberufung steht unmittelbar bevor: Ich lerne von den Veteraninnen neue Schlachtrufe wie „Whoosh!“ – „Zapp!“ – „Boing!“, die bei mir starke Erinnerungen an meine doch allzu fernsehlastige Kindheit und eine trashige Batman-Serie aus den 1960er-Jahren wecken, in denen bei Auseinandersetzungen gegen
den vollgeschminkten Erzfeind Joker Kampfszenen mit eben diesen lautmalerischen Begriffen
untermalt wurden.

Nun hilft auch keine gedankliche Flucht ins glamouröse Gotham mehr,  tattdessen stehe ich mittlerweile im Neuerkeröder Saronasaal, der mit dem 60er-Jahre Gotham nur in puncto
funktionale Ausstattung einen gemeinsamen Nenner findet. Hier trägt mein „Joker“ (ein ausgebildeter Theater- und Humorpädagoge) keinen  Quietschbunten Rüschen-Anzug oder überbordende Gesichtsmalerei, sondern Flip-Flops, kurze Hose und ein Hemd, heißt Andreas und bildet statt einer kriminellen Vereinigung einen Stuhlkreis. Zum Glück bin ich nicht allein, neben mir sitzen noch 15 weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Ich jedenfalls bin für alle Fälle gewappnet – in der Not habe ich noch eine Geheimwaffe: den Flachwitz. „Was sitzt auf einem Baum und winkt? Ein Huhu!“

Wir lernen, unserem Gegenüber Aufmerksamkeit zu schenken, zuzuhören, ins Gespräch zu kommen.

Zugegeben: die Verzweiflung ist groß, ber entweder ich platze vor Scham oder die anderen vor Lachen. Humor ist immer auch eine Gratwanderung. „Hallo Thomas“, spricht mich Andreas an. Vorschnell will ich aufstehen und den Witz zünden. „Was hilft dir beim Entspannen?“, fragt er weiter. Ich falle zurück auf den Stuhl … und überlege, während der „Huhu“ noch unzurechnungsfähig durch meine Gedanken kreist. Die Frage geht reihum, die Antworten sind vielfältig, interessant, unvorhersehbar, persönlich, individuell. Die Kollegin aus der Wohnen und Betreuen überrascht mich – cooles Hobby! Wusste gar nicht, dass die Pflegefachkraft aus dem Marienstift so ein familiärer Typ ist. Ein weiteres Kennenlernen entwickelt sich durch Auflockerungsübungen, die so gar nichts mit lautmalerischen Superhelden zu tun haben und mich dennoch „whooshen“, „zappen“ oder „boingen“ lassen. Wir lernen, unserem Gegenüber Aufmerksamkeit zu schenken, zuzuhören, ins Gespräch zu kommen. Den Flachwitz habe ich wieder eingepackt, stattdessen bekomme ich meine persönliche rote Clownsnase. „Wenn ihr mal im Stau steht und gar nichts mehr geht. Einfach mal aufsetzen und sehen, was passiert“, rät Andreas. Ich hätte da allerdings noch eine andere Verwendung. „Zack!“, schon grüßt sie von meiner oberen Monitorecke und signalisiert: „Achtung, humorempfängliches Büro!“


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Text: Nina Schacht // Foto: Faktotum Medienproduktion

Denn es wurde viel gelacht – sowohl auf der Bühne als auch im Zuschauerraum. Das humorvolle Schauspiel ließ den Zuschauern auch keine andere Wahl. Bei der Inszenierung des Stücks „Darf man lachen?“ zum Auftakt des inklusiven Theaterfestivals Wechselblick wurde deutlich: Humor verbindet Menschen. Das Schauspiel auf der Bühne war zugleich berührend, komisch und informativ. Selbst chemische Prozesse, die beim Lachen im Körper ausgelöst werden, erzählte das Ensemble im darstellenden Spiel keineswegs auf sachlicher Ebene, sondern immer mit viel Witz. Und auch die Interaktion zwischen Schauspielern und Publikum gelang ihnen. So wurde aus dem Publikum kurzerhand eine Art „Lach-Chor“, angeleitet von den Schauspielern. Auch hier zeigte sich das schauspielerische Können der Darsteller, denn das „Lachen auf Knopfdruck“, was den Schauspielern scheinbar mühelos gelang, war für das Publikum anfangs keine leichte Aufgabe. Einen der komischsten Momente erlebten die Zuschauer sicherlich, als die Schauspieler das Spiel umdrehten. Wer schaut eigentlich wem zu? Die Zuschauer den Schauspielern? Oder umgekehrt? „Wer ist anders, ihr oder wir?“, fragte Darsteller Holger Denecke. Und er landete einen Riesen-Lacherfolg mit der Anmerkung: „Herr Becker denkt zum Beispiel, er sei der Chef in Neuerkerode und könne alles bestimmen – wir lassen ihn in dem Glauben.“

Doch trotz aller Komik im Stück wurden die Schauspieler auch gesellschaftskritisch in Bezug auf den Umgang mit Menschen mit einer Behinderung. Wo gelangt Humor an seine Grenzen? Schauspielerin Jelena Bernhofen kennt die Antwort: Komik höre auf, wenn anderen Schaden zugefügt werde. Und wie sich das auf das Leben von Menschen mit Beeinträchtigung auswirkt, auch davon erzählt das Stück. Auf Jahrmärkten zur Schau gestellt, hinter hohen Zäunen gesellschaftlich ausgegrenzt oder in Käfigen gehalten – auf einer Leinwand dokumentieren Fotos und Bilder Szenen, wie Menschen mit Behinderung früher behandelt wurden. Untermauert von eigenen Berichten erzählen die Schauspieler von Situationen, in denen sie ausgegrenzt wurden.

Martin von Hoyningen Huene, Leiter Theater „Endlich“: „Das Stück heißt ‚Darf man lachen?‘, weil wir festgestellt haben, dass das Publikum sich diese Frage hin und wieder stellt, wenn wir auf der Bühne Dinge machen, die lustig sind. Das haben wir aufgegriffen, weil es beim Thema Lachen/Auslachen Grenzüberschreitungen gibt und auch immer gegeben hat – die meisten Menschen mit Beeinträchtigung haben so etwas schon selbst erlebt.“

Jelena Bernhofen, Schauspielerin: „Ich bin unglücklicherweise mal durch eine Menschengruppe gelaufen und die haben über mich gelacht, weil ich das Down- Syndrom habe. Das fand ich nicht in Ordnung. Man darf gemeinsam lachen, sich aber nicht über andere lustig machen.“



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Text: Rüdiger Becker // Foto: Unternehmenskommunikation

Aus Goethes Faust gibt es einen Satz aus dem Prolog, den Mephistopheles zu Gott spricht, der in seiner Kritik an einem bestimmten, unbiblisch humorlosen Gottesbild meine volle Zustimmung findet. Mephistopheles sagt: „Mein Pathos brächte dich gewiss zum Lachen, hättst du dir nicht das Lachen abgewöhnt.“ Sich das Lachen abzugewöhnen wäre nicht nur für Menschen fatal, auch ein Gott wäre nichts anderes mehr als ein miesepetriges Geschöpf, von dem Mephistopheles am Ende des Prologs sagt: „Von Zeit zu Zeit sehe ich den Alten gern und hüte mich mit ihm zu brechen. Es ist gar hübsch von einem großen Herrn, so menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen.“ Das kommt dabei heraus, wenn man sich das Lachen abgewöhnt: Dann freut sich nur noch der Teufel, den Alten zu sehen und menschlich mit ihm selbst zu sprechen.

Das Lachen, nicht das Auslachen, ist ein probates Mittel für die Menschlichkeit, für das Miteinander, für Achtsamkeit.

Es gibt nicht viele Gesten, die in hoher Intensität die Beziehung zum Gegenüber aufnehmen. Wie viel Bosheit – oder vielleicht passt es besser – wie viel Kränkung, wie viel Enttäuschung über das Leben muss in einem Menschen
stecken, wenn er oder sie es unbeantwortet lässt, angelacht zu werden. Wenn das Lachen von Herzen kommt, gibt es nichts Schöneres auf dieser Welt. In den Heiligen Schriften von Judentum, Christentum und Islam taucht das Lachen oft auf. Die alte Sara lacht, als die Engel ihr sagen, dass sie im hohen Alter ein Kind bekommen würde. Darüber kommt sie gar nicht hinweg und kichert sich einen, denn „ihr ging es nicht mehr, wie es den Frauen zu gehen pflegt. Und Sara lachte bei sich: Nun da ich verbraucht bin, soll ich noch Liebeslust empfinden, und auch mein Abraham alt ist“ (Gen 18). Neun Monate später kam Isaak auf die Welt! Eine weitere Stelle in der den Christen und Juden gemeinsamen Bibel beschreibt das Lachen als ein Kennzeichen der zukünftigen Befreiung und Erlösung. In Psalm 126,2 ist es eine Zusage an die im babylonischen Exil lebenden Juden, dass sie eines Tages wieder Heimat haben werden und dann wird „ihr Mund voller Lachen sein“. Das Lachen zeigt Erlösung an. Und als letztes Beispiel erwähnt auch Jesus in der Bergpredigt das Lachen: Es ist der Gegensatz zum Weinen, es ist auch bei ihm ein Zeichen der Befreiung und Erlösung. In der Bergpredigt im Lukasevangelium (Lk 6,21) sagt er: „Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen.“ In diese Tradition, in diese Deutung, wollen wir das Lachen stellen. Das Lachen ist ein Zeichen der Erlösung und Befreiung. Es greift über die Zustände dieser Zeit hinaus, aber es verdrängt kein Weinen, keinen Hunger, keine Ungerechtigkeit, keine Ausbeutung, keine Gewalt, keinen Verrat an der Würde eines Menschen, keinen Missbrauch an der Schöpfung Gottes. Aber das erlösende und befreiende Lachen, das Beziehung stiftende Lachen, lässt sich nicht kleinkriegen und findet sich nicht ab. Es macht etwas anderes: Es greift in die Zukunft und zieht aus ihr den Nährboden, um jetzt, um im Hier und Jetzt denen die Stirn zu bieten, die dem Leben nicht gut tun. Wer lacht, wer achtsam ist, wer den anderen freundlich ansieht, der vertraut auf die Verheißung, dass Gott uns Befreiung und Erlösung in Aussicht gestellt hat. Das Muster dieser Denkbewegung ist die historische Befreiung der hebräischen Sklaven aus der Gefangenschaft in Ägypten. So gestimmt können wir mit Lachen in die Welt gehen.

Darf man lachen? Ja. Man muss sogar.

Sonst hätten Dummheit, Ignoranz, Machtmissbrauch, Korruption und Ausbeutung von Menschen und Natur das letzte Wort. Im Lachen stärken wir das Gute in uns. Und das Gute, das Beste ist doch, zum anderen Menschen in
Beziehung zu treten. Warum bin ich auf der Welt? Was macht mein Leben gut? Wie kriegt das Ganze Sinn? Für was lohnt es sich? Die echte Antwort auf diese Frage lautet immer gleich. Es ist mein Mitmensch. Für ihn oder für
sie lohnt sich alles. Das, was wir tun und das, was wir nicht tun, haben wir vor Gott, dem Nächsten und unserem Gewissen zu verantworten: „Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsere Zunge voll Rühmens sein“, so Psalm 126. Und wenn wir das wollen, wenn wir lachen wollen, wenn wir wollen, dass alle etwas zu lachen haben, dann hat Gott keine anderen Worte und Hände als unsere.



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Text: Katharina Heinemeier // Fotos: Bernhard Janitschke

Doch Medizin dreht sich nicht nur um Patienten, beispielsweise in der Alltäglichkeit des Klinikbetriebs – auch Ärzte und Pflegekräfte haben Ängste und Bedürfnisse. Und anders als in anderen Berufen werden sie sehr oft, fast täglich, mit Situationen konfrontiert, in denen ihnen das Lachen eigentlich vergehen könnte. In diesen Momenten ist Galgenhumor, bewusst oder unbewusst, oft der einzige Weg, um Situationen die Schärfe zu nehmen und um sich selbst bei Laune zu halten, nicht aus dem Gleichgewicht zu kommen. In der Literatur findet sich eine Menge zum Thema Humor in der Medizin, vor allem, wenn es um die Beziehung zwischen Arzt und Patient geht. Doch es wird kaum über den Galgenhumor der Mediziner und Pflegekräfte hinter den Kulissen berichtet. Was liegt da näher, als bei den Kolleginnen und Kollegen im Krankenhaus Marienstift nachzufragen: Darf man das? Oder ist der Krankenhausalltag spaß- und humorbefreit? Wann kommt Galgenhumor zum Vorschein? Und hilft er wirklich?

Matthias Lotze, Pflegebereichsleitung OP/Anästhesie/Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA), seit 32 Jahren im Krankenhaus Marienstift:
„Ohne Humor geht es gar nicht. Gerade im OP ist Galgenhumor tatsächlich an der Tagesordnung. Nach einer anstrengenden Notsituation, wenn sich alle langsam wieder entspannen, kommt er zum Vorschein. Humor hilft, um auch die Dramatik auszuhalten. Dabei machen wir uns nicht lustig, sondern versuchen uns selbst bei Laune zu halten und die Situation aufzulockern. Ich denke, dass man für die Arbeit im OP auch ein besonderer Typ sein muss. Wir arbeiten in einem geschützten Raum. Alle Beteiligten wissen, wie sie den Humor zu nehmen haben. Für Außenstehende wirkt das sicherlich befremdlich. Aber wer hier arbeitet, dem ist ganz einfach nichts Menschliches fremd.“

Wie zum Beweis erkannte schon Sigmund Freud Anfang des 20. Jahrhunderts: Witze sind Ventile für Verdrängtes und Lachen wirkt befreiend. Es hilft uns, mit den Lasten des Lebens besser fertigzuwerden. Als Beispiel zitierte Freud gerne folgenden Witz: Ein Spitzbube, der am Montagmorgen zur Hinrichtung geführt wird, sagt: „Die Woche fängt ja gut an.“ Auch hier wird der  sprichwörtliche Galgenhumor zum Schutzmechanismus und entschärft das Problem – obwohl sich dieses objektiv nicht verändert. Wer lacht, vergisst Sorgen und Ängste und lebt für ein paar Sekunden nur im Moment. Lachen setzt Glückshormone frei und wirkt entspannend. Im beruflichen Alltag wird Humor oft als unpassend angesehen. Wer Witze macht, steht schnell im Verdacht, seine Aufgabe nicht ernst zu nehmen und macht eventuell einen eher unseriösen Eindruck – so oder ähnlich liest man es in Artikeln der Unternehmensberatung und Psychologie. Und obwohl humorvolle Menschen als attraktiver gelten, fürchten besonders Chefs oft um ihre Autorität. Dabei schließt das eine das andere nicht aus!

Zinete Tairi-Kaba, Pflegeüberleitung, arbeitet seit 27 Jahren im Krankenhaus Marienstift:
„Humor gehört unbedingt dazu. Es gibt Situationen, in denen der Galgenhumor dafür sorgt, besser durch den Dienst zu kommen. Wenn der Personalmangel durch Krankheit und Urlaub wieder zugeschlagen hat und man eigentlich nicht weiß, wie man den Tag überstehen soll – da tut es richtig gut, wenn man einen Kollegen hat, der auch witzig ist. Dann macht auch so ein Dienst Spaß. Zwischen unseren Ärzten und der Pflege ist die Zusammenarbeit humorvoll. Kleiner Running Gag, seitdem wir uns über Urlaubsorte unterhielten: Ich heiße schon seit 20 Jahren für einen Kollegen ‘Schwester Venecia‘ und ihn darf ich ‘Bruder Palermo‘ nennen.“

Dr. Branko Milkanovic, Chefarzt der Frauenklinik, seit zehn Jahren im Krankenhaus Marienstift:
„Natürlich scherzen wir oft, mit gegenseitigem Respekt selbstverständlich. Mit Humor geht alles besser. Trotzdem nehmen wir unsere Patientinnen ernst, das ist klar! Während einer OP sind wir hochkonzentriert. Wenn die Anspannung zum Ende der OP etwas nachlässt, werden wieder Scherze gemacht. Das ist Stressabbau, bewusst oder unbewusst. Lachen entspannt. Unsere Arbeit ist sehr anstrengend und wir sind mehr hier als zu Hause. Da muss man humorvoll sein, um Situationen zu meistern. Diese positive Energie schwappt über und sollte auch genutzt werden. Ich sag immer: Wer nicht verrückt ist, ist nicht normal.“

Eine klare Diagnose: Humor wirkt sich auch in der Arbeitswelt positiv aus und fördert die Kreativität. Und wenn am Arbeitsplatz gute Stimmung herrscht, kommen die Mitarbeiter lieber ins Büro, auf die Station oder wohin auch immer. Daher empfehlen wir dringend, jede Gelegenheit zum Lachen zu nutzen.

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Text: Nina Schacht // Fotos: Bernhard Janitschke

Sie strecken die Hände in die Höhe, kreisen die Schultern, wenig später die Arme. Die Teilnehmer fangen an zu lachen. Doch was auf den ersten Blick wie eine Gymnastikstunde am frühen Morgen aussieht, entpuppt sich als Probe des inklusiven Chors auf dem Kuba-Bildungscampus in Wolfenbüttel.

Gelacht wird auch wieder beim Singen, denn die Freude am gemeinsamen Musizieren scheint ansteckend, Sänger und Sängerinnen vergessen die Sorgen des Alltags. Jeden Mittwoch trifft sich der Chor und teilnehmen kann jeder: Langzeitarbeitslose, Menschen mit Behinderung, Geflüchtete, Schulabbrecher, Mitarbeitende der Mehrwerk gGmbH – die Freude am Singen verbindet sie alle. Nach den Aufwärmübungen geht es los. Musikpädagogin Heike Mauer spielt die ersten Töne auf der Gitarre und stimmt die Strophen an. Erst zaghaft, dann immer lauter steigen die Sängerinnen und Sänger in die Lieder ein. 90 Minuten Chorprobe liegen vor ihnen. Eine Zeit, in der Sprachbarrieren überwunden werden, in der Herkunft keine Rolle spielt.

„Im Chor gibt es niemanden, der alles kann. Jeder übt. Sei es die Melodie, den Rhythmus, meistens jedoch den Liedtext. “Bevor die Lieder gesungen werden, liest die Musikpädagogin Zeile für Zeile vor. „Den Refrain können die Chorteilnehmer oft relativ schnell“, erzählt Heike Mauer, „alles andere lernen wir durch viele Wiederholungen“. Und dabei ist die Musik ein verbindendes Element. „Die Musik ist der Klebstoff zwischen uns. Wir alle helfen uns und akzeptieren, dass nicht jeder alles kann. Wir nehmen aufeinander Rücksicht“, sagt Sozialarbeiterin Dagmar Ottmers. Das sieht man auch bei den kleinen Dingen zwischen den Songs: In den Notenheften wird gemeinsam geblättert, wenn der Chornachbar den Liedtext nicht findet. Und wer den Text nicht kann, singt eben leise mit oder setzt für ein Lied aus. Aber es gibt auch Songs, bei denen alle kraftvoll mitsingen: „‚Marmor, Stein und Eisen bricht‘ von Drafi Deutscher oder ‚Tage wie dieser‘ von den Toten Hosen sind sehr beliebt. Dann machen alle mit“, sagt Mauer.

Der Chor wurde im März 2019 gegründet. Einst mit dem Gedanken, dass sich Mitarbeitende aus allen Abteilungen der Mehrwerk gGmbH dort kennenlernen. Von der Idee seien viele Menschen begeistert gewesen und rasch nahmen auch Beschäftigte aus der Werkstatt für Menschen mit Behinderung (WfbM), dem Berufsbildungsbereich und der Abteilung Qualifizierung teil. „Es ist uns gelungen, zusammenzuwachsen. Der Chor ist fester Bestandteil am Bildungscampus geworden.“ Die Sozialarbeiterin Dagmar Ottmers berichtet weiter: „Jede Stunde ist anders.“ Beim offenen „Mitmach-Chor“ klopfen junge und alte Menschen an die Tür im Bildungscampus, Menschen mit und ohne Behinderung, Migranten und Arbeitslose. Die Besetzung wechselt fast wöchentlich. Zwischen zehn und 45 Menschen singen mit. Sie alle zu einem Chor zusammenzufügen – das ist Aufgabe von Heike Mauer. „Unsere Treffen sind flexibel gestaltet“, sagt sie. Das zeigt sich auch bei den Liedern. So wird kurzerhand das „Guten-Morgen-Lied“ auf Kurdisch, Arabisch und Türkisch gesungen. „Das ist so, als wäre man wieder acht Jahre alt und singt englische Texte mit, obwohl man kein Wort versteht“, erzählt die Musikpädagogin und lächelt. Und genau darum geht es: Das Singen soll einfach Spaß machen.

Davon berichtet auch Teilnehmerin Jessica Gottlieb, die seit der Chorgründung dabei ist: „Ich singe einfach gerne und die Stimmung ist immer lustig.“ Lea Mager hat gerade ihr erstes Chortreffen hinter sich: „Ich kann noch nicht so gut singen, aber es hat mir richtig viel Spaß gemacht“, sagt sie. Sängerin Heike Möhrig gefällt besonders gut, dass man sich während der Proben „einfach fallen lassen kann“. Das ist auch Ziel des Chores: die Anforderungen der Arbeitswelt für einen Moment vergessen, Kraft tanken und Mut sammeln. Und der Chor vermittelt auch ein Stück Selbstbewusstsein. „Ich singe jetzt häufiger mit, auch wenn es mal die falschen Töne sind. Man hört das nicht, denn die anderen Chorstimmen fangen das auf“, meint Heike Möhrig. Sozialarbeiterin Dagmar Ottmers nimmt die Stimmung aus der Chorprobe mit in den Arbeitstag: „Ich habe immer einen Ohrwurm und ich gehe beschwingter durch den Tag.“

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Text: Stephan Querfurth // Foto: Archiv Ev. Stiftung Neuerkerode

Manchmal täuschen die Bilder. Die würdigen alten Bilder entstanden dreißig, fünfzig Jahre nach der Gründung Neuerkerodes. Die meisten Menschen, die uns dort ernst und streng entgegenblicken, sind für uns heute namenlos. Aber es gehörte wohl damals auch zum guten Ton, zum Stil, nicht das Fotografiegerät des Herrn Fotografen anzulächeln.Otto Julius Bierbaum war scharfzüngiger Kritiker seiner Zeit. Der Journalist, Kabarettist und Lyriker lebte von 1865 bis 1910 und war damit irgendwie ein Zeitzeuge des sich damals auch gründenden und entwickelnden Neuerkerodes. Auch wenn der umtriebige Schriftsteller nie etwas von Neuerkerode gehört haben mag. Seinem Reiseroman „Die Yankeedoodle-Fahrt“ von 1909 setzte er als Motto voran: „Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Dieses zum Spruch, zur Redensart gewordene Bonmot ist beim genaueren Hinsehen vielleicht doch nicht so platt, wie es beim ersten Hören klingt.

Humor beschäftigt sich ja durchaus mit den Unzulänglichkeiten des Lebens, mit Schwächen, Defiziten und gewinnt dem Leben – „trotzdem“ eben – Lebensfreude ab. Diese Lebensfreude ist ein roter Faden, der sich durch die Gründungsgeschichte Neuerkerodes zieht. Behinderung wird nicht verbal kaschiert, sie ist immer präsent, wird benannt, krass manchmal als „Jammer“ und „Elend“, aber trotzdem wird das Leben gefeiert. In vollen Zügen, wie zahlreiche uns überlieferte Texte berichten. Die Menschen mit Behinderung, mit denen die Gründungsväter und Mütter im Neuerkerode jener Zeit lebten, waren für sie ohne Wenn und Aber Geschöpfe Gottes – und damit gleich wertvolle Menschen. Das war so, auch wenn es scheinbar kontrastierend zur durchaus autoritären Alltagsstruktur stehen mag. Wir wissen nicht, ob unter den Schwestern und Brüdern, den Lehrerinnen und Angestellten, also den Mitarbeitenden damals, humorvolle Menschen gewesen sind, Menschen, die auch ihre eigenen Schwächen auf die Schippe nehmen konnten, so weit haben sie uns nicht in ihre Persönlichkeiten schauen lassen. Was wir von ihnen wissen ist, dass Anstand und Ordnung, Strenge, Gottesfurcht und Güte ihre Lebensorientierung beherrschte. Aber ganz sicherlich, ganz gewiss: Es waren auch humorvolle Menschen unter ihnen. Die Theologie von Gustav Stutzer und Karl Palmer, den ersten Direktoren Neuerkerodes, war eindeutig:

Als Geschöpf, als Ebenbild Gottes hat der Mensch allen Grund, das Leben, sein Leben, zu feiern. Und das tat man damals in vollen Zügen, Menschen mit Behinderung und Menschen ohne Behinderung. Gemeinsam und miteinander.

Gerade Karl Palmer, der von 1880 bis 1905 Direktor in Neuerkerode war, ist kaum zu überbieten in seiner Kreativität, immer wieder aus dem Alltag heraus neue Feste zu gestalten. Da wird vom Kirschfest geschwärmt, vom Brunnenfest
erzählt, vom Kirchenfest, von dem Schulfest, dem Jahresfest, von einem Waldfest und einem Sommerfest. In den Zeilen über das Fest, das am 29. Juli 1886 gefeiert wurde, der Einweihung des neugebauten Viehstalles – dem heutigen Dorfgemeinschaftshaus – klingt der Humor mit: „Unsere Pferde, Ochsen, Kühe und Schweine – wenn sie denken und sprechen könnten – würden sie jauchzen: Hier ist es eine Lust zu leben (...). Aber das Rindvieh war recht störrig und unverständig. Ein jedes Tier war zwar mit einem derben und massiven Kranz geschmückt, der Kranz aber hatte ihnen keine Vernunft und keine festlich gehobene Stimmung beigebracht (...). Den Schluss bildete ein kleines Schwein, das als Repräsentant der ganzen Schweinesippschaft figurierte. Als es aber in dem neuen Stall bei seinen Kameraden erschien, fielen die über das bekränzte Tierlein her und fraßen ihm den Kranz vom Halse ab.“ Humor, ja den gab es auch im frühen Neuerkerode.

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Entwürfe: Günter Grohs
Entwürfe: Günter Grohs
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Text: Katharina Heinemeier  // Foto: Unternehmenskommunikation

Gerade der persönliche Abschied ist wichtig für die Trauerbewältigung, ist er doch der Beginn einer neuen Zeit ohne den Verstorbenen. Bei den  Bürgerinnen und Bürgern Neuerkerodes ist es spürbar, wie vertraute  Bestattungstraditionen und Rituale helfen, sich in der Abschiedssituation zurechtzufinden. Hier spielt auch der Raum, in dem Abschied genommen wird – die Friedhofskapelle – eine große Rolle. In dieser Friedhofskapelle ist eine qualitativ hochwertige und nahezu unberührte Architektur aus den 1950er Jahren zu sehen. Inzwischen ist sie aber in die Jahre gekommen, sodass sie einer der Trauer angemessenen Verschönerung bedarf. Die anstehende Renovierung soll daher behutsam erfolgen, um möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten – das betrifft auch die Neugestaltung der Fenster. Hier haben die modernen, jedoch gleichzeitig zurückhaltenden Entwürfe des Künstlers Günter Grohs überzeugt, Diplom-Glasmaler aus Wernigerode. Wir möchten an diesem wichtigen Ort der Trauer und des Abschieds eine besondere Atmosphäre schaffen, die zum Innehalten und Gedenken einlädt.Mit Ihrer zweckgebundenen Spende wird die Friedhofskapelle Neuerkerodes wieder zu einem wunderbaren Ort für einen würdigen Abschied. Helfen Sie mit, sodass hier die Angehörigen sowie Bürgerinnen und Bürger besinnliche und in Erinnerung bleibende Trauerfeiern erleben können.

Wir freuen uns über jede Spende!

Unser Spendenkonto:
IBAN: DE55520604100100600334
BIC: GENODEF1EK1
Kreditinstitut: Evangelische Bank
Verwendungszweck: NEB 110

Weitere Informationen zum Thema Spenden und Helfen finden Sie hier

Erläuterung des Künstlers Günter Grohs
„Die zentrale Lichtöffnung hinter dem Altar markiert ein aus Glasbausteinen bestehendes Kreuz mit stark konisch zulaufenden und tiefen Leibungen. Sie bleibt bestehen, nur die nachträglich aufgebrachten farbigen Gläser werden entfernt. Vor den Glasbausteinreihen wird ein gläsernes Kreuz, bestehend aus horizontalem und vertikalem Glasstreifen (…), mit Abstand zur Wand montiert, deren Vorder- und Rückseiten glasmalerisch aufwendig veredelt werden. (…) Die vorgehängte Glasgestaltung wird durch das vom Fensterkreuz einfallende Licht hinterleuchtet und dadurch zur Projektions- und Bildebene, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Sich kreuzende Strukturen durchziehen wegeartig die Glasflächen. Die grafische Linearität wird an einigen Stellen durch gelbe Farbtöne unterstützt – durch die beidseitigen Glasmalereien entstehen interessante Überlagerungen und eine dreidimensionale Anmutung. Der Trauergast wird durch die zurückhaltende Farbigkeit nicht zum Hinschauen genötigt und überfordert – er kann vielmehr eigenen Gedanken nachgehen. Durch die zurückhaltende Farbigkeit in Kombination mit expressiver Linienführung werden das gläserne Kreuz und die in die Fensternischen eingestellten Gläser eigener und dennoch integrativer Teil der Ausstattung, ohne in die vorhandene Substanz einzugreifen. Die weiteren Fenster werden in farbloser Weise ausschließlich mit Sandstrahlungen in unterschiedlichen Intensitäten ebenfalls vorder- und rückseitig bearbeitet und haben eine primär den Raum belichtende Funktion.“





Entwürfe: Günter Grohs
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Der Schutz von personenbezogenen Daten hat einen hohen Stellenwert in der Evangelischen Stiftung Neuerkerode / Ev.-luth. Diakonissenanstalt Marienstift. Dies gewährleisten wir durch technische und organisatorische Maßnahmen im Datenschutz und in der Datensicherheit. Diesen Anspruch haben wir auch an unsere Dienstleister (Bsp.: Letter Shop), die wir daher regelmäßig dahingehend prüfen. Wir verarbeiten Ihre personenbezogenen Daten gemäß §6 Datenschutzgesetz der Evangelischen Kirche in Deutschland (DSG.EKD). Dies erfolgt auch mit Hilfe von Dienstleistern, um Ihre Spende zu verarbeiten und Ihnen ggf. eine Spendenbescheinigung und weitere Informationen zuzuschicken. Sie haben als Beteiligte/r das Recht auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung der Verarbeitung und Datenübertragbarkeit. Bei Fragen oder Beschwerden können Sie sich an unseren Datenschutzbeauftragten (datenschutz@neuerkerode.de) oder an die für uns zuständige Aufsichtsbehörde wenden. (Der Beauftragte für den Datenschutz der EKD, Lange Laube 20, 30159 Hannover, E-Mail: info@datenschutz.ekd.de.)

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Postalisch: Evangelische Stiftung Neuerkerode,  Unternehmenskommunikation, Kastanienweg 3, 38173 Sickte-Neuerkerode
Email: oeffentlichkeitsarbeit@neuerkerode.de.
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Das Lachen ist Ausdruck einer neuen und bewussten Achtsamkeit gegenüber sich selbst und anderen.

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Liebe Leserin und lieber Leser,
es ist mir immer wieder eine Freude, Ihnen allen eine neue Ausgabe der Neuerkeröder Blätter mit Nachrichten aus all unseren Gesellschaften vorstellen zu dürfen. Ein gelungenes Heft – ich hoffe, dass Sie mir nach der Lektüre zustimmen. Thematisch liegt der Schwerpunkt dieses Mal in der Auseinandersetzung mit Humor und Lachen. Hintergrund ist unsere Entscheidung, dem Humor und dem Lachen in den Arbeitsbereichen der Unternehmensgruppe mehr Raum zu geben.
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Humor und Lachen ist ein
beziehungsstiftender Aspekt
menschlicher Kommunikation.
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Natürlich meint das nicht das Auslachen oder die Verspottung mit grimassenhaftem Lachen über andere Menschen. Das Theater Endlich hat in seiner jüngsten Produktion „Darf man lachen?“ deutlich gemacht, wo die Grenzen liegen. Man darf lachen, man darf nur nicht auslachen. Das so recht verstandene Lachen knüpft eine Verbindung zum Mitmenschen, zum Kollegen, zur Patientin oder zum Betreuten. Es macht den Alltag schöner, verbindlicher, freundlicher – es nimmt Verbindung auf. Gerade in Kontexten der sozialen, pflegerischen, therapeutischen und medizinischen Zuwendung sind das Lachen und die Freundlichkeit ein Erfolgsfaktor. Für beide Seiten! Humor hilft heilen, sagt Dr. Eckhart von Hirschhausen. Er begleitet mit seiner Stiftung unser großes Projekt bis Ende des Jahres 2020, in dessen Rahmen alle knapp 3.000 Mitarbeitenden in 65 Workshops geschult werden. Wir haben allerdings das Motto auf unsere Bedürfnisse angepasst und sprechen von „Humor verbindet“. Wir wollen damit unterstützen, dass Menschen in eine gute Beziehung zueinander treten. Das ist besonders für unsere Arbeit wichtig. Und dazu gehört für uns gemeinsames Lachen konstitutiv dazu. Das Lachen
ist Ausdruck einer neuen und bewussten Achtsamkeit gegenüber sich selbst und anderen. „Es ist ganz einfach“, schreibt Gerald Hüther in seinem Buch „Würde“ (6. Auflage 2018, München, S. 181 f.). „Beispielsweise können Sie andere Personen, anstatt an ihnen vorbeizugehen, als wären sie Luft, auch anlächeln. Wer sich darauf einlässt, beginnt auch wieder, sich zu spüren. Und damit verändert sich Ihr Leben von ganz allein. Es wird spürbar freudvoller, liebevoller, auch würdevoller.“

Ich wünsche mir als Wirkung von diesen Workshops „Humor verbindet“, dass sich die Art und Weise, wie bei uns gearbeitet wird, für die Mitarbeitenden und für Klienten, Patienten, Pflegebedürftige und anderweitig Betreute noch spürbarer zum Positiven verändert. Ich bin zuversichtlich, dass wir gelöster, freundlicher und zugewandter auftreten und ich hoffe darüber hinaus, dass wir sogar soziale und kulturelle Impulse für diese Region geben können. Das scheint mir nötig zu sein. Denn die Zeit, in der wir leben, wirkt sehr unübersichtlich, sehr konfliktreich. Die einen sehen im Klimawandel eine fundamentale Bedrohung des Lebens aufziehen, die anderen sehen in allen Versuchen, die Erderwärmung zu begrenzen, eine  Deindustrialisierung unserer Region. Es scheint allen Beteiligten schwerzufallen, im Dialog zu bleiben und die Wahrheit der Argumente des Gegenübers zuzulassen. Ob es gelingt, über das Lachen und die Freundlichkeit achtsam füreinander zu bleiben? Mir scheint dabei ein gesellschaftlicher Akteur zu fehlen, der in aller Auseinandersetzung für Werte, die zugleich Grundlage unseres Zusammenlebens sind, eintritt. Respekt voreinander, Achtsamkeit miteinander, Sorge füreinander zählen dazu. Eigentlich könnten die beiden großen Kirchen diese Aufgabe übernehmen. Eigentlich. Mir steht es nicht zu, die katholische Schwesterkirche zu kritisieren, ich habe genug zu tun mit meiner evangelischen Kirche. Zu allen großen gesellschaftlichen Themen hätte sie etwas beizutragen.
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Wer über Nachhaltigkeit und Klimawandel spricht, wer den Respekt vor der Natur neu diskutiert, der sollte sich mit dem biblischen Gedanken auseinandersetzen, dass die Welt geschaffen ist.
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Die Schönheit der Welt und der Zauber des Lebens finden hier eine Grundierung. Wo bleibt in diesen Zeiten der Beitrag unserer Kirchen? Deutlich vernehmbar ist dieser Beitrag nicht. Ich vermisse ihn aber. Gerade in den vergangenen Wochen und Monaten habe ich unsere Kirche oft nur noch als im freien Fall des  Bedeutungsverlustes erlebt. Zum Glück gibt es noch Kirchengemeinden gegen den Trend, gerade auf dem Land ein Segen für die Menschen. Es gibt noch Gottesdienste, die Gott die Ehre geben, es gibt großartige Kirchenmusik und wunderbare Kirchgebäude – da ist noch viel zu finden. In diesem Zusammenhang wünsche ich mir, dass die Menschen ihre Entscheidungsfreiheit nutzen, um sich wieder der Kirche zuzuwenden, anstatt ihr den Rücken zu kehren. Wie immer liegt es an uns. Wir können auf die anderen zeigen und behaupten, sie seien schuld. Aber es hindert uns niemand, mitzumachen, es besser zu machen. Neue, breitenwirksame  Gemeinschaftsformen des Christentums, die Orientierung bieten, Hoffnung entzünden und Menschen in Konflikten daran erinnern, den Respekt und die Achtung voreinander nicht zu verlieren – das wäre für mich Engagement wert. Ein Engagement, das vom sich Anlachen getragen wird, das Freundlichkeit stiftet und um die Unantastbarkeit der Würde des Menschen weiß. In Psalm 8 drückt der Beter diese Erkenntnis mit einem staunenden Fragen aus: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst.“ Manchmal werde ich gefragt, wie es wohl weitergehen wird in unserem Land und der Welt mit dem Erstarken populistischer Parteien und neuer Demagogen an ihrer Spitze. Wie wird sich der Klimawandel auswirken? Was wird aus der Kirche? Theodor W. Adorno (Aspekte des neuen Rechtsradikalismus, Berlin 4. Auflage 2019, S. 55) hält diese Art zu fragen für falsch: „In dieser Art des Denkens, die solche Dinge von vornherein ansieht wie Naturkatastrophen, über die man
Voraussagen macht wie über Wirbelwinde oder über Wetterkatastrophen, da steckt bereits eine Art von Resignation drin, durch die man sich selbst als politisches Subjekt eigentlich ausschaltet, es steckt darin ein schlecht zuschauerhaftes Verhältnis zur Wirklichkeit. Wie diese Dinge weitergehen und die Verantwortung dafür, wie sie weitergehen, das ist in letzter Instanz an uns.“ Dem kann ich mich anschließen.

Ich möchte nur noch ergänzen, dass außerdem derjenige, der lacht, niemals nur Zuschauer ist, sondern Teil des Geschehens. Achtsam ist er dabei. Machen Sie, liebe Leserin, lieber Leser bitte mit! Bleiben Sie auch in 2020 lachend an unserer Seite, das ist unser größter Wunsch für das neue Jahr. Frohe Weihnachten wünschen wir Ihnen aus der Evangelischen Stiftung Neuerkerode und der Ev.-luth. Diakonissenanstalt Marienstift.
Bleiben Sie behütet.

Ihr
Rüdiger Becker


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